Ford Mustang 1964½ -1966: Die Geschichte des Ur-Ponys

(ls) Jeder kennt ihn, jeder will ihn: Besonders die erste Generation berühmten Pony-Cars von Ford gilt heute als Ur-Mustang und Inbegriff des klassischen US-Cars. Wir wollen Ihnen die Geschichte und einzelne Meilensteine dieses begehrten Klassikers näher bringen. In unserer Fotostrecke finden Sie außerdem sehenswerte Bilder zur Mustang Geschichte.

Die Idee: Es war im Jahr 1960, der Liter Benzin kostete unter 10 US-Cent und riesige mit Flossen verzierte chromblitzende Straßenkreuzer prägten das US-amerikanische Straßenbild, als sich die Ford Motor Company unter der Leitung der Manager-Ikone Lee Iacocca an die Entwicklung eines neuen, zeitgerechten Automobils und damit an die Kreation einer in den USA-völlig neuen Fahrzeugklasse, des Pony-Cars, machte. 

 

Die Vorgaben waren klar: Der Wagen sollte vier Personen bequem Platz bieten, nicht mehr als die Hälfte eines durchschnittlichen Jahreseinkommens eines damaligen US-Amerikaners kosten (etwa 2.500 US-Dollar), mit seinem sportlichen Look eine jüngere, modernere Käuferschicht ansprechen und sich somit deutlich von den bisher dagewesenen Modellen unterscheiden. 

 

Der Falcon lieferte die Basis für den Mustang (Bild Ford)
Der Falcon lieferte die Basis für den Mustang (Bild Ford)

Die Basis: Als Basis für den kommenden Mustang musste der für US-Verhältnisse eher kleine Ford Falcon herhalten. Ein Wagen mit Sechszylinder-Motor in Reihenbauweise, einem tragenden Rahmen und einer nicht tragenden Karosserie. Übrigens: Der Name „Mustang“ stammt von einem bekannten US-amerikanischen Jagdflugzeug aus dem 2. Weltkrieg, der „P51 Mustang“. 

 

Nach zweijähriger Entwicklungszeit erblickte der erste offizielle Konzeptwagen unter dem Namen „Mustang I“ 1962 das Licht der Welt. Dabei handelte es sich um einen 2-Sitzigen Roadster mit 4-Zylinder Mittelmotor in V-Bauweise, ein Konzept das wenig mit dem kommenden Bestseller gemein hatte. 1963 hatte eine weitere Studie unter dem Namen „Mustang II“ Premiere. Einem Wagen, der die Züge des fertigen Pony-Cars trägt.

 

 

Prototyp: Der "Shorty" erinnert an den Fastback (Bild Hagerty)
Prototyp: Der "Shorty" erinnert an den Fastback (Bild Hagerty)

 

Im Zuge der Entwicklung von 1960 bis 1964 beauftragte Ford mehrere Designer und Entwickler mit der Konzeption von Entwürfen. Bis zur endgültigen Produktion wurden einige Entwürfe erstellt und wieder verworfen. So auch der unter dem Namen  bekannte „Ford Mustang Shorty“, der dem 1965 kommenden Fastback schon recht ähnlich sah.

 

Allerdings wurde der sehr kurze, 2 sitzige „Shorty“ zugunsten eines 4 Sitzigen Modelles verworfen und sollte vernichtet werden. Um den hauptsächlich aus Fiberglas gebauten und mit einem 302 V8 Motor bestückten Prototyp vor der Verschrottung zu bewahren, meldete der Ford Designer Vince Gardner seine Kreation als gestohlen und parkte den Wagen in einem Lagerhaus. Als dieses einige Jahre später geräumt wurde, tauchte der „Shorty“ wieder auf.  Heute ist der „Shorty“ laut Expertenmeinung über eine halbe Million US-Dollar wert.

1964: Die ersten Mustangs laufen vom Band (Bild Ford)
1964: Die ersten Mustangs laufen vom Band (Bild Ford)

Die Premiere: Produziert wurden die ersten Mustangs ab Anfang März 1964 im Werk Dearborn im Busdesstaat Michigan. Bereits vier Tage später, am 09. März 1964, begann die Auslieferung an die Ford-Händler. Die offizielle Markteinführung  fand schließlich am 17. April 1964 auf der Weltausstellung in Flushing Meadows im Bundesstaat New York statt.

 

Auf einem der ersten offiziellen Werbefotos für den Wagen war ein Hardtop Coupe mit einem Sechs-Zylinder (2,8 Liter) in der Farbe Wimbeldon White mit knallroter Innenausstattung zu sehen. Diese Farbkombi war damals sehr beliebt, gleich mehrere offizielle Ford Fotos zeigen Coupes und Cabrios in dieser Farbkombination. Auch heute noch sind Mustangs in dieser Farbe bei Oldtimer-Freunden sehr beliebt und erzielen vergleichsweise höhere Beträge als Fahrzeuge in anderen Farben.

 

Premiere: Eines der 1. Werbefotos vom Mustang (Bild Ford)
Premiere: Eines der 1. Werbefotos vom Mustang (Bild Ford)

Bestseller ab Verkaufsstart: Über 22.000 Bestellungen gingen bereits am ersten offiziellen Verkaufstag bei den Ford-Händlern ein. Ein nie dagewesener Rekord, der noch weiter anhalten sollte. Rund um den Mustang kam es zu Tumult-artigen Szenen bei den Händlern, die heute allenfalls vergleichbar sind mit dem Run von Interessenten in die Läden beim Verkaufsstart eines neuen Apple-Handys.

 

In San Francisco war ein LKW-Fahrer beispielsweise so gefesselt vom Mustang-Werbeplakat eines Ford-Händlers, dass er mit seinem Fahrzeug direkt in den Showroom des Händlers krachte. Andernorts mussten die neuen Mustangs in den Verkaufsräumen abgesperrt und alle Fenster und Verdecke geschlossen werden um zu verhindern, dass sich mehrere Interessenten in die Autos quetschten und sich so verletzten.

 

In Texas stritten mehr als 10 Käufer um den Zuschlag für einen neuen Mustang. Es entbrannte sogar ein Bietergefecht um den Wagen. Der Höchstbieter verharrte über mehrere Stunden im Objekt seiner Begierde, bis der Kaufvertrag unterschrieben und sein Check vom Händler anerkannt wurde. In den Südstaaten musste sogar ein Rennen verschoben werden, weil ein teilnehmender Mustang von mehreren tausend Zuschauern regelrecht belagert wurde um den Wagen ausgiebig betrachten zu können. Solche und andere Szenen spielten sich Landesweit ab. An den Erfolg des Mustangs kann kein anderer US-Hersteller anknüpfen. Nach einem Jahr nach Verkaufsstart, am 17. April 1965, kann Ford den 418.812. Mustang ausliefern und übertrifft damit seine eigene Prognose.

 

Gaile Wise hat ihren Mustang immer noch (Bild Reuters)
Gaile Wise hat ihren Mustang immer noch (Bild Reuters)

Der erste verkaufte Mustang in den USA: Der erste Mustang wurde bereits zwei Tage vor der offiziellen Markteinführung verkauft! Am 15. April 1964 durfte die damals 22 jährige US-Amerikanerin Gaile Wise mit Ihrem brandneuen, babyblauen Cabrio  nach Hause fahren. Grund: Gaile wollte anlässlich Ihres Uni-Abschlusses unbedingt eine neues Ford Cabrio, wurde aber im Showroom des Ford-Händlers bei den bereits erhältlichen Modellen nicht fündig.

 

Daraufhin zeigte Gail der Händler den offiziell noch nicht zu habenden Ford Mustang und verkaufte ihn Ihr auch für 3.347,50 US-Dollar, abzüglich 400 US-Dollar für Gailes alten 58er Chevrolet. Gaile besitzt das von Experten aktuell auf einen Wert von bis zu 250.000 US-Dollar geschätzte und mittlerweile restaurierte Cabrio übrigens bis heute. Es dürfte sich dabei um einen der begehrtesten Mustangs überhaupt handeln! Allerdings will sich Gail in absehbarer Zeit nicht davon Trennen!

 

Mustang 1964½: Standard war ein 6 Zylinder (Bild Ford )
Mustang 1964½: Standard war ein 6 Zylinder (Bild Ford )

Modelljahr 1964½: Die sogenannten 1964½ Mustangs wurden von März bis August 1964 gebaut und zählen mittlerweile zu den begehrtesten Modellen bei Sammlern. Offiziell wurde das Modelljahr 1964½ von Ford übrigens nie angegeben oder als Bezeichnung verwendet. Alle Mustangs aus 1964 und 1965 gelten offiziell als 1965er Modelle.  Die Unterscheidung hat sich jedoch bei Experten und Sammlern eingebürgert und macht aufgrund einiger Unterscheide zwischen den Modellen von 1964 ½ und 1965 Sinn.

 

Die Käufer konnten sich bei Markteinführung für das Hardtop-Coupe oder das Cabrio wahlweise mit Schaltgetriebe oder Automatik entscheiden. Das Standard Interieur bestand aus zwei mit Vinyl (Kunstleder) in wählbaren Farben bespannten Einzelsitzen vorne und einer Sitzbank hinten. Vier Motoren waren wählbar. Als Standard Motorisierung diente der sogenannte U-Code Motor (5. Buchstabe der VIN-Nummer), ein Sechs- Zylinder in Reihenbauweise mit  2,8 Litern Hubraum und etwa 100 PS (170-1V).

 

Weiterhin waren drei V8-Motoren wählbar. Ein als F-Code bekannter 260cui Motor mit knapp 4,3 Litern Hubraum und 164 PS Leistung (260-2V). Später in 1964 wurden der Palette zwei weitere V8-Motoren hinzugefügt. Ein 289cui V8 mit 4,7 Litern, besser bekannt als D-Code (289-4V low comp) und der seltene K-Code Motor, ein 8 Zylinder mit 4 Ventilen pro Zylinder und ebenfalls 4,7 Liter Hubraum in der High Performance Ausführung mit 271 PS (289-4V high perf). Insgesamt konnte Ford 121.538 Mustangs aus der allerersten Serie absetzten. 

 

1965: Der beliebte Fastback kommt zu den Händlern (Bild Mecum )
1965: Der beliebte Fastback kommt zu den Händlern (Bild Mecum )

Modelljahr 1965: Ab September 1964 spricht man vom Modelljahr 1965. Rein Äußerlich gibt es keine signifikanten Änderungen, allerdings bei den Motoren. Der bisherige Basis-Motor mit 2,8 Litern Hubraum wird von einem stärkeren 3,2 Liter (200cui) Sechszylinder mit dem Motor-Code „T“ ersetzt.

 

Außerdem wechselt Ford die Lackierung der Motoren und Anbauteile. Statt dem Gold vom 64½ Modell kommt hier ab sofort das typische Ford-Blau zum Einsatz. Der D-Code V8-Motor mit 289cui wird durch den 289-4V A-Code mit 225 PS ersetzt. Außerdem feiert der wohl bekannteste und verbreitetste V8-Motor Premiere: Der 289-2V, besser bekannt als C-Code Motor mit ca. 200 PS. Der leistungsstärkste K-Code Motor ist weiterhin zu haben. Ab September 1964 kommt das bekannte und begehrte Fließheck-Coupe unter dem Namen „Mustang Fastback“ zu den Händlern. Ebenfalls im Jahr 1965 waren die ersten Modelle sportlicher Mustangs aus der Zusammenarbeit von Ford und der Rennfahrer-Legende Caroll Shelby zu haben. Außerdem hat der Käufer nun im puncto Interieur und Exterieur mehr Auswahl.

 

Zum einen wird die GT-Ausführung angeboten, die Nebelscheinwerfer im Grill, GT-Streifen und  Emblemen, eine Chrom-Zierleiste auf der Haube, Scheibenbremsen, fünf Rund-Armaturen und eine  doppelläufige Auspuffanlage mit Chrom-Blenden und eine spezielle Heckschürze mit Durchlässen für die Auspuffrohre umfasst. Außerdem hatten die GT-Modelle ein sogenanntes „Handling Package“ ab Werk mit verstärkter Federung und Aufhängung. Bei den GT-Modellen wurde auch eine Rahmenverstärkung im hinteren Bereich verbaut. Übrigens: Alle Mustangs (ob GT-Modell oder nicht) die ab Werk mit dem starken K-Code Motor ausgeliefert wurden, hatten das „Handling Package“ standardmäßig verbaut.

 

1965 war auch erstmals das „Pony“-Interieur zu haben. Es besteht aus mit galoppierenden Pferden verzierten Rückenteilen der Sitzbezüge, speziellen Türverkleidungen mit integrierten Armlehnen, schräg nach oben zeigenden Türöffnern  und rot-weißen Leuchten im hinteren unteren Bereich der Türen, einem Holz-Lenkrad, Holz-Optik am Armaturenbrett, gepolsterten Sonnenblenden und mit Teppich verkleideten Kickpanels. Mustangs des Modelljahres 1965 wurden insgesamt 559.451 mal verkauft, plus 564 Sondermodelle wie Rennwagen oder Pacecars.

 

GT 350: Racer for Rent, Hertz bestellt 1001 GT350 (Bild Mustangattitude )
GT 350: Racer for Rent, Hertz bestellt 1001 GT350 (Bild Mustangattitude )

Modelljahr 1966: Ab September 1965 spricht man vom Modelljahr 1966. Nach dem Motto „nichts ändern was funktioniert“ werden lediglich wenige Zierelemente im Vergleich zum Vorgänger geändert. So fallen beispielsweise die vier senkrechten und waagerechten „Strahlen“ rund um das Pferd im Grill im Modelljahr 1966 weg.  Außerdem finden sich in der Heckschürze ab 1966 zwei runde Rückfahrlichter. Ebenfalls geändert wurden die Lufthutzen an den Seiten. Im Vergleich zu 1965 ist die 66er-Hutze nun deutlich größer und hat längere, nach vorne zeigenden Zierleisten.

 

Bei den Motoren gibt es keine Änderung zum Vorjahr. Der Run auf den sportlichen Kompakt-Wagen ist weiter ungebrochen. Im März 1966 führt Ford den 66er Shelby Mustang ein. Unter anderem feiert der Mustang GT-350 Premiere. Der Autovermieter Hertz ordert allein 1.001 Modelle für seine Mietwagen-Flotte. Bereits Anfang März 1966 verlässt der millionste Mustang das Fließband. Mit allein 607.568 Exemplaren war der 66er Mustang das bislang gefragteste Model bei den Käufern. Außerdem hat Ford im Jahr  1966 2.388 Sondermodelle wie z.B. den GT-350 gefertigt. Zum Vergleich: Der international erfolgreiche „deutsche Mustang“, der VW-Käfer, brauchte etwa fünf Jahre ab Verkaufsstart um diese Produktionszahl zu erreichen.

 

Apropos Deutschland: Auch hierzulande war der erste Mustang offiziell auf Nachfrage bei den Händlern zu haben. Aus namensrechtlichen Gründen allerdings nicht unter dem bekannten Namen, sondern unter der nüchternen Bezeichnung „T5“. Grund: Krupp und Kreidler hatten damals die deutschen Namensrechte für „Mustang“ inne. Für den deutschen, bzw. den westeuropäischen  Markt mussten also alle Schriftzeichen mit „Mustang“ entfernt und durch T5 ersetzt werden. Wer sich damals in Deutschland solch ein „exotisches“ Pony leisten wollte und konnte, musste je nach Ausführung und Ausstattung ab etwa 16.000 DM für ein Basis-Coupe mit Sechszylinder bis etwa 20.000 DM für ein Cabrio mit V8 ausgeben.

 

Sie interessieren sich für einen Mustang der 2. Generation vom Baujahr 1667 bis 1968. In unserem Artikel „Ford Mustang 1967 -1968: Die Geschichte des Muscle-Ponys“ erfahren Sie alles Wissenswerte über diese Modelljahre.  

 


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